Wie bereits in der Rubrik „Geschichte“ dargestellt wurde, beauftragte im Jahre 1981 das „Gremium zur Beratung von Abwehrmaßnahmen gegen Hagel“ über Antrag der Steirischen Hagelabwehrgenossenschaft die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit der Leitung des von Herrn Dr. Svabik ausgearbeiteten Hageltestplattenprojektes in der Steiermark. Die Hageltätigkeit wurde in einem rund 730 km² großen Schutzgebiet mit Hilfe eines Bodenmessnetzes, das sind insgesamt 181 Hageltestplatten- Stationen, registriert; im Kern des Schutzgebietes stehen 115 Messstellen (aufgestellt im Jahr 1981). Die getroffenen Platten wurden seither ständig an der ZAMG in Wien ausgewertet.
Das HTP- Netz wurde 1981 im Schutzgebiet "Weiz - Gleisdorf", STK, errichtet und umfasste vor seinem weiteren Ausbau 116 Messstellen (mit einer Sonderstation beim "Haus des Apfels"). Es erstreckt sich westlich des zentral gelegenen Raabtales, über das Rabnitztal hinaus bis nahe an den Nordostrand der Landeshauptstadt Graz, und östlich bis zum Feistritztal; als östlichste Gemeinde wäre Großhartmannsdorf anzugeben. Der südwestliche Rand entspricht der Linie Studenzen - Laßnitzhöhe, der nördliche der Linie Weiz - Stubenberg. Das Schutzgebiet weist am Beginn des HTP- Projektes eine Fläche von rund 500 km² auf, nach seinem Ausbau nach Norden und nach Westen hin ab dem Jahr 1987 rund 730 km². Mit dem Ausbau sollten auch Hagelregistrierungen aus dem unmittelbaren Vorfeld des Hagelschutzgebietes gewonnen werden.
Im November 2004 erstattete nunmehr Herr Dr. Svabik, den 20-Jahresbericht über die Hagelabwehr in der Steiermark mit begleitender Untersuchung der ZAMG für den Untersuchungszeitraum 1982 bis 2001.
Diese wissenschaftliche Arbeit beweist, dass sich in den letzten beiden Jahrzehnten auf Grund der Tätigkeit der Steirischen Hagelabwehrgenossenschaft die durchschnittlichen Hagelkornspektren wesentlich dahingehend verändert haben, dass die kleinen Kornklassen stark zugenommen und die größten Korngrößen stark abgenommen haben. Bei der Anzahl der Hageltage ergab sich eine Abnahme von 16 Tagen auf 12 Tage. Die erfreulichste Feststellung ist jedoch, dass die bei einem Hagelereignis durchschnittlich verhagelte Fläche von 34 auf 16 Quadratkilometer abgenommen hat. Die durchaus positiven Auswertungsergebnisse weisen einen deutlichen Rückgang der Verhagelung der Region Graz - Weiz in den letzten beiden Jahrzehnten nach.
In der Folge werden die mit „ZUSAMMENFASSUNG“ überschriebenen Seiten 48 und 49 dieses Berichtes wiedergegeben:
ZUSAMMENFASSUNG:
Die anschließende Tabelle 8 zeigt, dass sich während des HTP-Projektes STK im Untersuchungszeitraum 1982 bis 2001 die durchschnittlichen Hagelkornspektren ändern.
Der relative Anteil der Kornklasse mit dem Durchmesser 5 Millimeter am Gesamtspektrum beträgt während der Pentade 1982-1986 58,2 Prozent und steigt bis zur Pentade 1997-2001 auf 73,2 Prozent. Bereits bei der Kornklasse mit dem Durchmesser 10 Millimeter geht der relative Anteil am Gesamtspektrum von 27,0 Prozent auf 20,3 Prozent zurück.
Der Anteil der Kornklasse 15 Millimeter ist zuerst abnehmend, nimmt aber während der letzten Pentade, 1997-2001, wieder zu (nach einer Abnahme von 8,9 Prozent auf 3,9 Prozent erfolgt ein Anstieg auf 5,1 Prozent).
Absolut und relativ gehen die Anteile der Kornklassen ab dem Durchmesser 20 Millimeter im zeitlichen Verlauf des Projektes zurück. Der Anteil der Klasse 20 mm geht von 3,8 Prozent auf 0,9 Prozent, jener der Klasse 25 mm von 2,0 Prozent auf 0,4 Prozent zurück.
Eine derartige Änderung des durchschnittlichen Hagelkornspektrums zeichnete sich bereits bei der Erstuntersuchung zum Zeitraum 1982 bis 1990 ab, wobei die Steirische Hagelabwehrgenossenschaft 1982 bis 1986 ein Bodengeneratorennetz betrieb, und ab dem Jahr 1987 die Hagelabwehr zur Gänze auf die eingangs erwähnte Flugzeugmethode umstieg.
Bei der Anzahl der Hageltage (an einem Hageltag wird mindestens eine HTP-Station von einem Hagelkorn getroffen) ergibt sich eine Abnahme von durchschnittlich jährlich 16 Tagen (MW 82-86) auf rund 12 Tage pro Jahr (MW 91-01).
In der zeitlichen Folge verlagern sich die Schwerpunkte des Hagelgeschehens vom Zentrum zum Nordrand des HTP-Netzes.
Während der ersten Pentade (1982-1986) wurden bei einem durchschnittlichen Hagelschlag 8 bis 9 HTP-Stationen getroffen, nach 6, bzw. 4 bis 5 HTP- Stationen während der anschließenden Pentaden, wurden im Zeitraum 1997 bis 2001 nur mehr durchschnittlich 4 HTP-Stationen bei einem Hagelschlag getroffen. Im Messnetz HTP-STK repräsentiert eine Hageltestplattenstation eine Fläche von vier Quadratkilometer. Daraus folgt, dass die bei einem Hagelereignis durchschnittlich verhagelte Fläche von 34 auf 16 Quadratkilometer abgenommen hat, oder nur mehr halb so groß ist. Bei der Erstuntersuchung zum Zeitraum 1982-1990 zeigte sich ein Rückgang der durchschnittlich verhagelten Fläche um 40 Prozent.
Der durchschnittliche Energiewert einer verhagelten Station zeigt sich während der ersten drei Pentaden relativ konstant, mit Werten zwischen 72 und 79 Joule/m². Während der letzten fünf Jahre des Untersuchungszeitraumes steigt dieser Wert auf 100 Joule/m² an. „Ursache“ dafür ist, dass in den letzten beiden Jahren, 2000 und 2001, wenige, aber intensivere Hagelschläge registriert wurden. Im Abschnitt „5jährige Mittelwerte zu den HTP- Daten STK– Energieberechnung“ wird gezeigt, dass mit Ausnahme der Jahre 2000 und 2001, die Anzahl der HTP-Stationen mit höheren Energieklassen (ab 300 Joule/m²) im zeitlichen Verlauf deutlich abgenommen hat.
Im Zeitraum 1982-2001 verlagern sich auch die höchsten Energiewerte nach dem Norden und dem Nordwesten des Hagelmessnetzes STK.
Unterteilt man den Untersuchungszeitraum 1982-2001 auf zweimal zehn Jahre, nimmt die Zahl der Tage mit Hagel von 15,3 auf 12,3 ab, bei einer gleichzeitigen Abnahme der durchschnittlich verhagelten Fläche um 58 Prozent. Bei den durchschnittlichen Energiewerten ist wieder ein Anstieg ablesbar, nämlich von 74,5 Joule/m² auf 89,4 Joule/m².
Betreffend die Hauptkultur der Landwirtschaft, nämlich Apfel, werden zum letzten Zeitabschnitt 1997 bis 2001 flächenmäßig nur mehr halb so viele Obstanlagen von Hagel getroffen, die Ertragsminderung bleibt aber ähnlich hoch; im Durchschnitt ist die Ertragsminderung von 38 auf 44 Prozent gestiegen.“
* Anmerkung: Diese Zunahme der Ertragsminderung wurde vor allem durch die gestiegenen Qualitätsanforderungen verursacht. Durch den oben angeführten Rückgang der durchschnittlich verhagelten Fläche um 40 Prozent betrifft diese Steigerung der Ertragsminderung allerdings nur mehr 60 % der vor 20 Jahren von Hagelereignissen betroffenen Fläche, wodurch sich bezogen auf diese seinerzeit von Hagelschaden betroffenen Fläche eine Verminderung des Schadens auf 26.4 Prozent ergibt.
HAGELTESTPLATTENAUSWERTUNG 1982 – 2001
für den Bereich STK (Weiz-Gleisdorf), Steiermark
Hagelkornspektren
Tabelle 8:
Übersicht aller HTP-Daten des Messnetzes STK, mit den Mittelwerten im Untersuchungszeitraum 1982 bis 2001
Kornanzahl Dm 5mm Dm 10 mm Dm 15 mm Dm 20 mm Dm 25 mm
MW82-86 91.7 42.5 14.1 6.0 3.2
MW87-91 169.3 54.1 16.3 8.2 2.9
MW92-96 220.8 64.3 12.0 5.8 2.8
MW97-01 324.5 90.0 22.7 4.1 1.8
Tage mit Hagel HTP pro Hagel E (Joule/m²)
MW82-86 16.0 8.5 MW82-86 76.4
MW87-91 14.8 6.0 MW87-91 72.6
MW92-96 12.2 4.8 MW92-96 78.9
MW97-01 11.8 4.0 MW97-01 100.0
Tage mit Hagel HTP pro Hagel E (Joule/m²)
MW82-91 15.3 7.4 MW82-91 74.5
MW92-01 12.3 4.3 MW92-01 89.4
Abnahme 20% 58% Zunahme 20%
HAGELSCHADEN "APFEL"
MW81-90 38%
MW91-00 44%
Zunahme 6%